Google Phantom Update 2: Brand > Content … WTF

Google Phantom Update 2: Brand > Content … WTF

Es ist erst wenige Wochen her, doch schon jetzt ist klar: Das neueste Update von Google bringt nahezu jeden aus der Fassung. Webseiten über Webseiten mussten bis zu 70 % Trafficverlust hinnehmen und das Schlimmste an der Misere: Ein Ausweg ist noch nicht zu erkennen. Wie es zum vermeintlichen “Google Phantom Update 2″ kam, warum Brands nun scheinbar über dem Content stehen und warum wir das alles ziemlich WTF finden, erfahrt ihr in unserem Artikel.

Turbulenzen in den SERPs

Es beginnt, wie es immer beginnt. Das SEO-Wetter schlägt aus, Turbulenzen in den SERPs sind zu sehen und die Community meldet sich zu Wort. Im Normalfall ist relativ schnell erkennbar, um was für ein Problem es sich handelt. Wetter- oder Jahresbedingte Schwankungen? Ein Panda? Ein Pinguin? Pirate? eCommerce? Nahezu alle Updates lassen sich in eine Sparte einordnen und der Übeltäter – sei es schlechter Content, ein mehr als fragwürdiges Backlinkprofil, doppelte Inhalte etc. – ist leicht ausfindig zu machen.

Doch was ist, wenn es Veränderungen, Turbulenzen und massiven Trafficverlust gibt, ohne dass klar erkennbar ist, woran es liegt? Abstrafung? Kann nicht sein – der Content ist genial, das Backlinkprofil sauber, teilweise schalteten die Webseiten noch nicht einmal AdSense oder haben sich sonst eine Kleinigkeit zu schulden kommen lassen. Dennoch: Der Traffic bleibt aus und ist nahezu über Nacht um 5 %, 10 %, 20 %, 30 % bis hin zu 70 % gefallen.

SEOs weltweit schlagen die Hände über den Kopf. Was haben wir alle nur falsch gemacht? Getroffen hat es vorrangig Ratgeber und Informationsseiten, Seiten mit echtem Mehrwert und Content, der zurecht als King betitelt werden darf. Seiten, die zumindest in vielen Fällen keinen Linkaufbau betrieben haben. Seiten, die keine oder nur wenig Werbung schalten. Seiten, die ihre Leser nicht mit Affiliate-Links bombardieren und Seiten, die brav ihre Content-Marketing-Aktionen starten und Aktivitäten in den sozialen Netzwerken zeigen. Alles vollkommen brav. Und doch – Traffic weg – und zwar so was von weg.

Ist das Mobile-Update Schuld?

Naheliegend bei diesen Turbulenzen ist natürlich die Frage, ob das kürzlich aufgespielte Mobile-Update von Google Schuld am Trafficverlust sein könnte? Die Antwort ist allerdings schnell gegeben. Nein, das “Google Mobile Friendly Update”, welches im April 2015 ausgerollt wurde, ist definitiv nicht an diesen Ranking-Veränderungen Schuld.

Ist es ein Test?

Na ja, wir können nur die Daumen drücken und hoffen, DASS es ein Test ist. Ein großer Test. Ein sehr großer Test. Wir müssen allerdings sagen, dass wir nicht sehr zuversichtlich sind, denn die Fakten und bislang bekannten Details und Meldungen sprechen dafür, dass es sich tatsächlich um eine Änderung des Algorithmus-Kerns handelt.

Sollte Google nicht noch einmal ein paar Feinheiten ändern und die Stellschrauben noch ein wenig drehen, so wird es aller Voraussicht nach so bleiben, wie es ist.

Algorithmischen Änderung statt Update

Schon wenige Tage nachdem die Turbulenzen in den SERPs so richtig aufgefallen sind, meldete sich auch Google zu Wort. Update? Nein, Quatsch, das ist es nicht.

Die Spekulationen gingen also weiter. Ein Update, das kein Update ist, nicht angekündigt geschweige denn bestätigt wurde. Eine Änderung, die vorrangig gut ausgebaute und mit Mehrwert ausgestattete Ratgeber- und Informationsseiten trifft. Eine Änderung, mit der niemand im Einzelnen bestraft oder gar abgestraft wird oder wurde.

Und wer sind die Gewinner?

Wenn gute Ratgeber, Infoseiten, teilweise auch andere Webseiten und Shops die Verlierer sind – wer hat dann gewonnen? Die Antwort ist einfach: Brands, also Marken und Webseiten mit einem größeren Bekanntheitsgrad.

Spätestens jetzt habt ihr doch sicherlich auch ein WTF-Gefühl, oder? Falls nicht, dann schaut euch doch einmal die Ranking-Ergebnisse der Platz 10 zu euren relevanten Keywords an. Ihr werdet feststellen, dass es zahlreiche Keywords gibt, deren Top 10 mittlerweile aus mehr als fragwürdigen Ergebnissen besteht.

Fragwürdig nicht, weil die Seiten allzu schlecht sind. Nein, es sind schließlich Brands – große Marken – bekannte Marken. Seiten, die sich allein dadurch einen Stellenwert in den SERPs verdient haben.

Toller Content? In vielen, vielen Fällen Fehlanzeige. Lange Artikel? Mehrwert? Geniale Ratgeber? Echte Tipps? Nix da, Brand reicht. Und jetzt noch einmal die Frage. WTF, oder?

Der Ausweg aus dem Schlamassel

Leider gibt es bei diesem vermeintlichen Phantom Update 2 keinen Ausweg aus dem Dilemma. Es liegt keine Abstrafung seitens Google vor und auch sonst haben sich die meisten Seiten überhaupt nichts zu Schulden kommen lassen.

Fakt ist, dass sie keinen Brand in ihrem Keyword-Bereich darstellen. Scheinbar ist allein das der Grund, weshalb sie wohl oder übel jede Menge ihrer Sichtbarkeit in den SERPs einbüßen mussten. Die Frage ist nur, wie kommen gut aufgestellte Seiten aus diesem Schlamassel heraus?

Die Antwort ist in diesem Fall leider nicht so einfach, da sich nicht einfach ein paar manuell gesetzte Links abbauen lassen und auch die OnPage-Optimierung nicht mal eben verbessert werden kann, um das Problem zu lösen.

Die einzige Lösung – und das ist lediglich eine derzeitige Annahme, da es wie gesagt nichts wirklich offiziell Bestätigtes gibt – ist die Möglichkeit:

 

Zum Brand werden …

Google bevorzugt Brands gegenüber Seiten mit Mehrwert. Google geht scheinbar in der neuen Algorithmus-Änderung davon aus, dass Seiten, die bekannt, groß und demzufolge Brands sind, auch gut sein müssen.

Leider sieht das in der Realität ganz anders aus, wie Top-10-Seiten beweisen, die teilweise nicht einmal 100 Wörter haben, geschweige denn optimiert wurden. Dennoch ranken sie zu Begriffen, in denen Seiten mit Infografiken, Videos, Anleitungen, Guides, Glossaren und 1000-Wort-Artikeln in Massen nach hinten verschoben wurden.

Wäre es umgekehrt, so würde es natürlich auch die Marken sehr hart treffen, die vor allem zu Produkt-Keywords bereits sehr weit vorne ranken. Dennoch ginge es hier nicht um Existenzen, sondern um (zumindest in einigen Fällen) ein paar Millionen weniger pro Jahr. Ach wie schade. Bei vielen Webseiten-Betreibern, die viel Zeit, Mühe und teilweise auch Kosten in ihre Seite investiert haben, geht es allerdings um mehr. Nicht um Millionen, aber um den Erhalt der finanziellen Sicherheit.

Wer ausschließlich Webseiten betreibt, sich möglicherweise sogar noch auf Ratgeber spezialisiert hat und davon bislang gut oder zumindest generell gelebt hat, muss sich nun große Sorgen machen. Natürlich heißt es immer und überall, dass man sich nicht ohne Grund nur auf ein einziges Standbein verlassen sollte, sondern an vielen Einnahmequellen arbeitet, doch es ist in der Realität nun einmal so, dass viele Blogger und Nischenseiten-Betreiber von ihren Einnahmen leben. Ihnen wird durch eine Algorithmus-Änderung der Boden unter den Füßen weggezogen, vergleichbar damit, dass der Chef ins Büro tappelt und euch den Computer wegnimmt, aber dennoch verlangt, dass die Arbeit getan wird. Ziemlich ausweglos, oder? Genauso fühlen sich mit Sicherheit gerade sehr viele Webseiten-Betreiber, die nicht nur Ranking-Verluste hinnehmen mussten, sondern Traffic-Einbußen bis zu 70 % und parallel dazu oftmals auch bis zu 70 % Verluste der Einnahmen. Ein schwerer Stein.

Ein kleiner Wermutstropfen …

Obwohl das gesamte Phantom Update 2 von Google bzw. die neueste Algorithmus-Änderung scheinbar ausschließlich negativ für Webseiten-Betreiber ohne Brand zu schein scheint, gibt es auch ein paar kleine Lichtblicke.

Es wurden beispielsweise auch einige Brands abgeschwächt, deren Traffic (30 % ca.) nach einigen Wochen wieder vorhanden ist. Auch kleinere Webseiten-Betreiber berichten derzeit, dass sie teilweise bis zu 60 % Traffic verloren haben und dieser Traffic nun allerdings wieder da ist.

Das ist natürlich keine Sicherheit dafür, dass bei allen betroffenen Seiten der Traffic wiederkommen wird, sondern ein positives Beispiel, dass noch nicht alles verloren ist.

Wer sich also jetzt bereits Plan B, C und Z überlegt, sollte noch ein wenig warten, bis es im SEO-Wetter wieder ruhig geworden ist. Wer weiß, was noch alles folgt. Vielleicht spielt Google noch einen Panda oder Pinguin auf, vielleicht handelte es sich doch nur um einen Test, der anders kommuniziert wurde, vielleicht hebt Google die Algo-Änderung aber auch wieder auf oder schwächt sie ab, weil klar wird, dass zumindest in vielen Keyword-Bereichen die neuen Ergebnisse nicht den Nutzerwünschen entsprechen.

Was es auch sein wird – unserer Ansicht nach sollten wir noch etwas abwarten, auf keinen Fall voreilige Handlungen tätigen (Links abbauen, Seiten komplett überarbeiten, offline nehmen, neue Domains mit Weiterleitungen erstellen usw.), sondern beobachten, was sich in den nächsten Wochen tun wird. Wir drücken die Daumen für jeden, der betroffen ist.

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