Kurz erklärt. Bei der Keyword-Recherche finden Sie systematisch heraus, mit welchen Begriffen Ihre künftigen Kunden tatsächlich suchen. Sie ersetzt die Vermutung durch Zahlen und ist der Schritt, der noch vor dem ersten geschriebenen Satz kommt.
In den meisten Betrieben läuft es umgekehrt. Jemand schreibt einen Text über das, was der Firma wichtig erscheint, und hofft, dass er gefunden wird. Das Ergebnis sind Seiten über den „ganzheitlichen Ansatz“ und die „Firmenphilosophie“, während niemand danach sucht. Die folgende Anleitung zeigt den Weg, den wir bei Kundenprojekten tatsächlich gehen, Schritt für Schritt.
Schritt 1: Sammeln Sie Ihre Ausgangsbegriffe
Am Anfang steht kein Werkzeug, sondern eine schlichte Liste. Schreiben Sie auf, was Sie verkaufen, und zwar in den Worten Ihrer Kunden, nicht in Ihren eigenen Fachbegriffen. Ein Dachdecker verkauft keine „Bedachungssysteme“, seine Kunden suchen nach „Dach neu decken Kosten“.
Diese vier Quellen liefern die besten Ausgangsbegriffe.
- Ihre Leistungen. Jede Leistung, die Sie anbieten, in der Alltagssprache formuliert.
- Ihre Kundengespräche. Welche Fragen bekommen Sie am Telefon immer wieder gestellt?
- Ihre E-Mails. Wie beschreiben Anfragende ihr Problem, bevor sie Ihren Fachbegriff kennen?
- Ihre Wettbewerber. Welche Begriffe stehen in deren Überschriften und Seitentiteln?
Zwanzig bis dreißig Begriffe reichen für den Anfang völlig aus. Diese Liste ist Ihr Rohmaterial, noch keine Strategie.
Schritt 2: Erweitern Sie die Liste mit echten Suchanfragen
Jetzt kommt der Teil, für den Sie kein bezahltes Werkzeug brauchen. Google selbst verrät Ihnen, wonach Menschen suchen.
- Die Autovervollständigung. Tippen Sie einen Ausgangsbegriff in die Suche und schauen Sie sich die Vorschläge an. Das sind echte, häufige Suchanfragen.
- Verwandte Suchanfragen. Ganz unten auf der Ergebnisseite listet Google verwandte Begriffe auf.
- Der Kasten „Ähnliche Fragen“. Diese Fragen eignen sich hervorragend als Zwischenüberschriften und werden häufig in KI-Antworten zitiert.
- Buchstaben-Trick. Hängen Sie an Ihren Begriff nacheinander a, b, c an und notieren Sie die Vorschläge. So finden Sie Varianten, auf die Sie selbst nie gekommen wären.
Aus zwanzig Ausgangsbegriffen werden auf diesem Weg schnell hundert oder mehr. Erst danach lohnt sich der Blick auf die Zahlen.
Schritt 3: Prüfen Sie Suchvolumen und Wettbewerb
Erst jetzt kommen Werkzeuge ins Spiel, etwa der Google Keyword Planner, Sistrix oder vergleichbare Anbieter. Sie zeigen Ihnen, wie oft ein Begriff im Monat gesucht wird und wie hart der Wettbewerb darum ist.
Zwei Denkfehler sind hier verbreitet. Der erste ist die Jagd nach den größten Zahlen. Ein Begriff mit 10.000 Suchanfragen im Monat nützt Ihnen nichts, wenn dort seit Jahren große Portale mit hunderten Verweisen stehen. Der zweite Denkfehler ist, kleine Zahlen abzuwerten. Ein Suchbegriff mit fünfzig Anfragen im Monat, hinter dem eine klare Kaufabsicht steht, bringt mehr Aufträge als tausend beiläufige Klicks. Wie Sie die Zahlen im Einzelnen einordnen, erklären wir ausführlich im Leitfaden zu SEO-Keywords und Google-Ranking.
Schritt 4: Schauen Sie sich an, was Google bereits anzeigt
Dieser Schritt wird am häufigsten übersprungen und ist der aufschlussreichste. Geben Sie Ihren Wunschbegriff in die Suche ein und sehen Sie sich die erste Ergebnisseite genau an. Sie beantwortet zwei Fragen auf einmal.
- Welche Absicht steckt hinter der Suche? Stehen dort Ratgeber, sucht der Nutzer Information. Stehen dort Shops und Leistungsseiten, will er kaufen oder beauftragen. Ihr Inhalt muss zu dieser Absicht passen, sonst ranken Sie nicht, egal wie gut der Text ist.
- Haben Sie realistisch eine Chance? Wenn die ersten zehn Plätze von Wikipedia, Amazon und großen Vergleichsportalen belegt sind, suchen Sie sich einen spezifischeren Begriff.
Schritt 5: Ordnen Sie jedem Begriff genau eine Seite zu
Das ist der Schritt, der aus einer Liste eine Struktur macht, und genau hier scheitern die meisten Betriebe. Legen Sie eine einfache Tabelle an, in der jede Zeile einen Suchbegriff enthält, dazu die Seite, die dafür ranken soll, und die Absicht dahinter.
Die Regel dabei ist streng. Ein Hauptbegriff gehört zu genau einer Seite. Sobald zwei Ihrer eigenen Seiten um denselben Begriff kämpfen, konkurrieren Sie mit sich selbst, und Google entscheidet sich häufig für keine von beiden. Fachleute nennen das Kannibalisierung. Falls Sie beim Zuordnen merken, dass Sie bereits drei Seiten zum selben Thema haben, führen Sie diese zu einer starken Seite zusammen und leiten Sie die anderen darauf weiter.
So sieht eine solche Zuordnung in der Praxis aus, hier am Beispiel eines Malerbetriebs:
| Suchbegriff | Zielseite | Absicht dahinter |
|---|---|---|
| maler oberviechtach | Startseite | Betrieb in der Nähe suchen |
| wohnung streichen kosten | Ratgeber im Blog | Preisrahmen abschätzen |
| fassade streichen lassen | Leistungsseite Fassade | Auftrag vergeben |
| welche farbe schlafzimmer | Ratgeber im Blog | Orientierung, noch kein Auftrag |
| maler notdienst | Leistungsseite, falls angeboten | sofortiger Bedarf |
An dieser Tabelle sieht man sofort, warum eine einzige Seite nicht alles abdecken kann. Die Absichten sind zu unterschiedlich. Eine Seite, die gleichzeitig informieren und verkaufen will, überzeugt bei beidem nicht.
Schritt 6: Planen Sie in Themen statt in Einzelbegriffen
Google bewertet heute vor allem, ob Sie ein Thema umfassend abdecken. Einzelne Wörter zählen dabei längst weniger als früher. Gruppieren Sie Ihre Begriffe deshalb zu Themenfeldern. Ein umfassender Hauptbeitrag deckt das Thema in der Breite ab, mehrere kleinere Beiträge vertiefen einzelne Teilfragen und verweisen auf den Hauptbeitrag zurück.
Diese Struktur zahlt doppelt ein. Sie hilft Ihnen bei Google, und sie macht Ihre Inhalte für KI-Systeme leichter erfassbar, weil klar erkennbar wird, wofür Sie fachlich stehen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag zu GEO und der Optimierung für KI-Suchmaschinen.
Lokale Suchbegriffe richtig recherchieren
Wenn Sie ein festes Einzugsgebiet bedienen, gelten ein paar Besonderheiten, die in den meisten Anleitungen fehlen.
- Ortsnamen liefern kaum verwertbare Zahlen. „Maler Oberviechtach“ wird in keinem Werkzeug ein nennenswertes Volumen zeigen. Gesucht wird trotzdem. Die Zahlen sind für kleine Orte nur zu klein, um von den Werkzeugen erfasst zu werden. Verlassen Sie sich hier auf gesunden Menschenverstand statt auf das Werkzeug.
- „in der Nähe“ ersetzt den Ortsnamen. Viele Menschen tippen gar keinen Ort ein, weil Google den Standort ohnehin kennt. Diese Suchen tauchen in Ihren Zahlen unter dem allgemeinen Begriff auf.
- Prüfen Sie die Umgebung mit. Nehmen Sie die Nachbarorte auf, aus denen Sie tatsächlich Aufträge bekommen, nicht jeden Ort im Umkreis von fünfzig Kilometern.
- Das Google-Unternehmensprofil zählt hier mehr als der Text. Bei lokalen Suchen entscheidet oft das Profil über die Sichtbarkeit, nicht die Unterseite.
Wie lokale Sichtbarkeit im Detail funktioniert, steht im Beitrag zur lokalen Suchmaschinenoptimierung.
Die häufigsten Fehler bei der Keyword-Recherche
- Nach dem eigenen Fachbegriff suchen. Ihre Kunden kennen ihn oft gar nicht. Sie suchen nach dem Problem, nicht nach der Lösung.
- Nur auf große Zahlen schauen. Ein Begriff mit hohem Volumen, hinter dem keine Kaufabsicht steht, bringt Besucher ohne Anfragen.
- Die Ergebnisseite nicht ansehen. Der häufigste Fehler überhaupt. Wer nicht prüft, welche Art von Seite Google bereits anzeigt, schreibt am Format vorbei.
- Mehrere Seiten auf denselben Begriff ansetzen. Dann konkurrieren Sie mit sich selbst, und Google entscheidet sich häufig für keine von beiden.
- Einmal recherchieren und nie wieder. Suchverhalten verändert sich, besonders seit der KI-Suche. Einmal im Jahr nachsehen genügt, gar nicht nachsehen nicht.
Was sich bei der Keyword-Recherche durch die KI-Suche ändert
Die Grundlagen bleiben bestehen, ein Punkt verschiebt sich allerdings deutlich. Menschen stellen KI-Systemen längere, ausformulierte Fragen, während sie bei Google zwei Stichworte eintippen. Statt „Steuerberater Weiden“ heißt es dann „Welcher Steuerberater in der Nähe von Weiden kennt sich mit Handwerksbetrieben aus?“.
Für Ihre Recherche bedeutet das, dass Sie ganze Fragen mit aufnehmen sollten, nicht nur kurze Begriffe. Der Kasten „Ähnliche Fragen“ aus Schritt 2 ist dafür die beste kostenlose Quelle. Wer diese Fragen auf seiner Seite klar und knapp beantwortet, wird von KI-Systemen deutlich häufiger als Quelle herangezogen.
Häufige Fragen zur Keyword-Recherche
Wie oft sollte ich eine Keyword-Recherche machen?
Einmal gründlich zu Beginn, danach etwa einmal im Jahr zur Überprüfung. Zusätzlich immer dann, wenn Sie eine neue Leistung aufnehmen oder ein neues Einzugsgebiet erschließen.
Brauche ich ein kostenpflichtiges Werkzeug?
Für den Einstieg nicht. Die Google-Vorschläge, die verwandten Suchanfragen und die Search Console liefern viel. Sobald Sie regelmäßig Inhalte planen und Ihren Wettbewerb einschätzen wollen, sparen bezahlte Werkzeuge allerdings viel Zeit.
Wie viele Keywords gehören auf eine Seite?
Ein Hauptbegriff und einige verwandte Nebenbegriffe, die natürlich im Text vorkommen. Wichtiger als die Anzahl ist, dass die Seite die dahinterliegende Frage vollständig beantwortet.
Was mache ich, wenn mein Wunschbegriff zu stark umkämpft ist?
Gehen Sie ins Detail. Statt „Marketing“ nehmen Sie „Marketing für Handwerksbetriebe“, statt „Anwalt“ nehmen Sie „Anwalt Arbeitsrecht Amberg“. Diese längeren Begriffe haben weniger Suchvolumen, dafür deutlich klarere Absichten und meist schwächeren Wettbewerb.
Zählen Keywords in Zeiten von KI überhaupt noch?
Ja. Sowohl Google als auch KI-Systeme müssen erkennen, worum es auf Ihrer Seite geht. Die Sprache Ihrer Kunden zu treffen bleibt dafür die Grundlage, die Formulierungen werden nur länger und fragenähnlicher.
Wenn Sie gerade erst einsteigen, lesen Sie zuerst unseren Überblick Was ist SEO?. Für Betriebe mit festem Einzugsgebiet lohnt sich zusätzlich der Beitrag zur lokalen Sichtbarkeit.
Sie möchten wissen, mit welchen Begriffen Ihre Kunden Sie heute schon finden könnten? Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf Ihre Zahlen und sagen Ihnen ehrlich, wo der schnellste Hebel liegt.