Willkommen beim Diginauten Weekly. Einmal pro Woche schauen wir uns an, was in der Suche, in der KI und im Marketing passiert ist, und ordnen ein, was davon für Ihren Betrieb zählt. Jede Zahl mit Quelle, jede Einschätzung als solche gekennzeichnet.
Diese Woche: Eine Auswertung von einer halben Million Webseiten zeigt, woran sich maschinell geschriebene Texte erkennen lassen. ChatGPT entscheidet offenbar über Marken, bevor es überhaupt sucht. Seit Montag läuft Werbung in ChatGPT auch in Deutschland. Viele Websites sperren KI-Systeme außerdem aus, ohne es zu wissen.
Der Blick der Woche: das Einheits-Web und die Sprache, die es verrät
Das Pew Research Center hat am 20. August eine Auswertung veröffentlicht, die 490.000 englischsprachige Webseiten aus dem Archiv von Common Crawl untersucht, im Zeitraum von Januar 2021 bis Juli 2026. Über alle Seiten hinweg zeigen im Juli 2026 rund 10 Prozent deutliche Spuren maschineller Autorschaft. Betrachtet man nur Seiten, die nach dem Start von ChatGPT online gingen, sind es über ein Drittel (Pew Research Center, 20.08.2026).

Interessanter als die Menge ist die Frage, woran man es merkt. Pew hat die Sprache selbst vermessen und mehrere Muster gefunden, die seit 2023 deutlich häufiger vorkommen:
- Der Gedankenstrich taucht etwa doppelt so oft auf wie vorher.
- Das Oxford-Komma legt um 63 Prozent zu.
- Bestimmte Lieblingswörter der Modelle wie „delve“, „interplay“ und „testament“ haben sich mehr als verdoppelt.
- Die Konstruktion „nicht X, sondern Y“ kommt fast dreimal so häufig vor wie 2023.

Pew sagt selbst dazu, dass kein einzelnes dieser Merkmale einen Text überführt. Erkennungsmodelle irren bei einzelnen Dokumenten in beide Richtungen. Aussagekraft entsteht erst über die Masse. Das ist kein Werkzeug zur Entlarvung, das ist eine Beschreibung dessen, wie Texte im Netz gerade klingen.
Bei uns stehen genau diese Muster seit Langem auf der Verbotsliste, lange bevor jemand sie gemessen hat. Keine Gedankenstriche, kein Oxford-Komma, und die Konstruktion „nicht X, sondern Y“ höchstens da, wo die positive Formulierung den Satz verrenkt. Das ist keine Prinzipienreiterei. Texte klingen damit schlichtweg austauschbar.
Dazu passt eine zweite Beobachtung. Die Autorin Brenda Weischer hat am 9. August einen Text über „Template Slop“ veröffentlicht, der breit diskutiert wurde. Ihr Satz dazu: „everyone is getting good, no one is getting better“. Werkzeuge und Vorlagen heben das handwerkliche Mittelmaß, und gleichzeitig gleicht sich alles einander an.
Die Plattformen reagieren bereits. LinkedIn hat eine Meldefunktion für KI-Müll eingeführt, die nach Angaben des Netzwerks von über einer Million Menschen genutzt wurde. Als solcher eingestufte Beiträge bekommen demnach rund 40 Prozent weniger Aufrufe. Spotify kennzeichnet seit dem 11. August Künstlerprofile mit KI-generierter Identität und nimmt sie standardmäßig aus den Empfehlungen (Spotify Newsroom). Der australische Musikverband schließt überwiegend maschinell erzeugte Songs aus den Charts aus.
Verbieten tut niemand etwas. Entzogen wird die Verteilung.
Was das für Sie bedeutet: Google schreibt im eigenen Leitfaden für die KI-Funktionen der Suche, dass am stärksten ein eigener Blickwinkel wirkt, also Inhalte, die es so nicht schon zwanzigmal gibt (Google Search Central). Das klingt nach einer Floskel, bis man die Pew-Zahlen daneben legt. Wenn ein Drittel der neuen Inhalte gleich klingt, wird alles wertvoller, was nach jemandem klingt. Ihre Erfahrung aus dem Betrieb, Ihre Zahlen, Ihre Fälle. Das ist der Teil, den kein Modell erfinden kann.
Aus der Suche
Werbung in ChatGPT läuft jetzt auch in Deutschland
Seit Montag, dem 24. August, zeigt ChatGPT Anzeigen in 31 europäischen Märkten, Deutschland, Österreich und die Schweiz eingeschlossen (OpenAI, 18.08.2026). Gebucht wird zunächst über die großen Agenturnetzwerke, eine Selbstbedienungs-Plattform ist angekündigt. Anzeigen erscheinen im Gratistarif und im Go-Tarif, werbefrei bleiben Plus, Pro und Enterprise.
Für Europa gilt eine zweistufige Datenschutzlogik. Kontextbezogene Werbung läuft ohne Einwilligung, die personalisierte Aussteuerung auf Basis früherer Chats braucht eine ausdrückliche Zustimmung und ist zum Start abgeschaltet. Ausgewertet werden das laufende Gespräch sowie Standort, Sprache und Gerätetyp.
Unsere Einordnung: Die Effizienzzahlen, die OpenAI dazu nennt, stammen vom Anbieter selbst und beziehen sich auf die USA, wir lassen sie deshalb hier weg. Praktisch wichtig ist etwas anderes: Alle, die im Betrieb ChatGPT ohne Firmenlizenz nutzen, sehen ab sofort Werbung. Dazu kommt: Es gibt jetzt zwei Wege zur Sichtbarkeit in ChatGPT, den bezahlten und den über die Empfehlung des Modells. Der zweite ist nicht käuflich, und darum geht es im nächsten Abschnitt.
Mehr als die Hälfte des Verkehrs im Netz kommt nicht mehr von Menschen
Cloudflare hat Anfang Juli Zahlen aus dem eigenen Netz veröffentlicht, das anonymisierte Daten von über 20 Prozent der Websites weltweit umfasst. Über die Hälfte des Verkehrs ist demnach nicht menschlich. Bei der Klassifizierung im Juni 2026 entfallen 52 Prozent auf Crawler für KI-Training, im Frühjahr 2025 waren es 22 Prozent. Stark gecrawlte Themenbereiche verloren binnen eines Jahres bis zu 40 Prozent menschlichen Verkehr (Cloudflare, 01.07.2026).
Unsere Einordnung: Cloudflare ist in dieser Frage Partei, das Unternehmen verkauft Crawler-Kontrolle. Die Größenordnung deckt sich trotzdem mit dem, was wir in Projekten sehen. Zwei praktische Folgen: In Ihrer Statistik erscheint Bot-Verkehr als Besuch, obwohl niemand da war. Zudem stellt Google laut derselben Auswertung rund 88 Prozent des verbleibenden Verweisverkehrs, die Abhängigkeit ist also größer, als sie sich anfühlt.
GEO und KI-Suche
ChatGPT entscheidet offenbar, bevor es sucht
Der Berater Suganthan Mohanadasan hat protokolliert, was ChatGPT im Hintergrund tut, wenn man nach Empfehlungen in einer Produktkategorie fragt. Sein Befund: Das System schreibt Markennamen bereits in die eigene Suchanfrage, bevor es die erste Seite abruft. In 21 von 27 Gesprächen standen dort Marken, die er selbst nie genannt hatte. Marken aus dieser Vorauswahl landeten in 68,9 Prozent der Fälle in der endgültigen Antwort, Marken, die erst bei der Suche gefunden wurden, in 2,1 Prozent (Analyse vom Juli 2026, aktualisiert am 17.08.2026).
Der Autor schränkt selbst deutlich ein: Alle Daten stammen aus einem einzigen ChatGPT-Konto, die Werte seien eine Richtung und keine Messung. Warum eine Marke überhaupt auf dieser Vorauswahl landet, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
Dazu kommt ein Einwand aus der Branche, der die Sache eher verschärft als entkräftet. Der Großteil der ChatGPT-Nutzung läuft über die kostenlose Version, und dort sucht das System seltener im Netz. Die Vorauswahl im Modell zählt damit noch mehr, weil oft gar keine Suche dazwischenkommt.
Unsere Einordnung: Das passt zu einem zweiten Befund. Eine Untersuchung des Anbieters Peec AI hat 904 reale Marken über fünf KI-Systeme beschreiben lassen und zusätzlich mit erfundenen Namen experimentiert. Ergebnis: Kennt ein Modell eine Marke nicht, füllt es die Lücke mit dem Klang des Namens. Der gemessene Durchschnittseffekt ist mit 0,07 Punkten auf einer Neunerskala allerdings winzig, und bei bekannten Marken verschwindet er ganz. Genau darin liegt die Botschaft. Sichtbarkeit schlägt Namensklang. Was ein Modell nicht kennt, reimt es sich zusammen.
Wenn die KI Ihrem Betrieb etwas anhängt, das nicht stimmt
Wie handfest das wird, zeigt eine Entscheidung des Landgerichts München I. In einer einstweiligen Verfügung vom 28. Mai 2026 (Aktenzeichen 26 O 869/26) hat das Gericht Google untersagt, falsche Behauptungen über zwei Verlage in den KI-Übersichten der Suche zu verbreiten. Die Zusammenfassungen hatten die Unternehmen mit Abo-Fallen und Betrugsmaschen in Verbindung gebracht. Das Gericht stuft Google dabei als unmittelbaren Störer ein, weil die KI-Funktion Drittinhalte eigenständig zusammenfasst und zu einer eigenen Aussage verdichtet (SEO Südwest, ausführlich auch bei Kanzlei Plutte). Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.
Für die klassische Trefferliste haftet eine Suchmaschine nur mittelbar. Bei der KI-Antwort sieht das Gericht einen Unterschied, und dieser Unterschied ist für jeden Betrieb interessant, über den ein Modell etwas Falsches erzählt. Wie Sie prüfen, was über Sie erzählt wird, steht in unserem Ratgeber zur KI-Suchmaschinenoptimierung.
Der Praxis-Tipp der Woche: sperren Sie KI-Systeme aus, ohne es zu wissen?
Common Crawl ist ein offenes Archiv, das monatlich über zwei Milliarden Seiten erfasst und die Datenbasis für einen großen Teil der Sprachmodelle liefert. Sperren Sie den zugehörigen Crawler aus, fehlen Sie in dieser Basis. Rund 492.000 Websites nennen ihn in ihrer robots.txt, etwa 95 Prozent davon sperrend. Der Haken: Diese Sperre stammt häufig nicht vom Betreiber. Cloudflare sperrt KI-Crawler seit Juli 2025 auf jeder neuen Domain standardmäßig, die verwaltete robots.txt greift bei rund 3,8 Millionen Domains (Auswertung von Suganthan Mohanadasan).
Prüfen Sie in dieser Woche drei Dinge, das dauert eine Viertelstunde:
- Rufen Sie Ihre-Domain.de/robots.txt auf und suchen Sie nach CCBot, GPTBot, OAI-SearchBot, PerplexityBot und ClaudeBot. Steht dort ein Disallow, das Sie nie gesetzt haben, kommt es vom Hoster oder vom CDN.
- Sehen Sie im Quelltext einer wichtigen Unterseite nach „nosnippet“ und „max-snippet“. Beides schließt Sie auch aus den KI-Funktionen von Google aus.
- Prüfen Sie, ob Ihre Sitemap in der robots.txt steht und ob Ihre wichtigsten Inhalte auch ohne JavaScript im Quelltext stehen. Crawler führen kein JavaScript aus.
Eine Abgrenzung, die uns wichtig ist, weil sie derzeit oft untergeht: Für Google spielt Common Crawl keine Rolle. Google trainiert daraus nicht und verlangt für die KI-Funktionen nur, dass eine Seite indexiert und snippet-fähig ist. Der Zugang zu Common Crawl betrifft die Trainingsdaten anderer Anbieter. Beides ist wichtig, aber es ist nicht dasselbe.
Die Studie der Woche: wie abhängig Betriebe von den Plattformen sind
Die Kanzlei Hausfeld hat von YouGov 159 Marketing-Entscheider aus deutschen Unternehmen ab zehn Mitarbeitern befragen lassen, erhoben zwischen dem 9. und 14. Januar 2026. 66 Prozent sagen, der wirtschaftliche Erfolg ihres Unternehmens hänge an Google, Meta oder Amazon, 23 Prozent nennen die Plattformen existenziell. Auf eine Sperre vorbereitet fühlen sich 15,7 Prozent, überhaupt nicht vorbereitet sind 34 Prozent. 22 Prozent hatten bereits abgelehnte Anzeigen ohne Begründung, 20,8 Prozent Kontosperrungen. Von den Betroffenen brauchten 57,6 Prozent erheblichen Aufwand zur Klärung (Hausfeld und YouGov).
Unsere Einordnung: Die Stichprobe ist mit 159 Personen klein, das gehört dazu. Die Richtung deckt sich aber mit dem, was wir in Gesprächen hören. Der einzige Kanal, der Ihnen wirklich gehört, ist die eigene Website mit der eigenen Adressliste. Alles andere ist gemietet, und die Miete kann gekündigt werden, ohne dass jemand ans Telefon geht.
Diese Woche besonders: ein Kinderbuch vor Gericht
Der Carlsen Verlag, Marc-Uwe Kling und die Illustratorin Astrid Henn haben Klage gegen die irische Niederlassung von OpenAI eingereicht, ebenfalls am Landgericht München I. Der Vorwurf: Einfache Eingaben genügen, damit ChatGPT NEINhorn-Geschichten samt Illustrationen erzeugt, die vom Original kaum zu unterscheiden sind, bis hin zu einer kompletten Druckvorlage mit Umschlag, Impressum, erfundener ISBN und Verlagslogo. Gefordert werden Unterlassung, Offenlegung und Schadensersatz.
Unsere Einordnung: Für Ihren Betrieb ist nicht der Prozess das Interessante, sondern der Beleg. Bisher war das Argument abstrakt, irgendwo in den Trainingsdaten stecke geschütztes Material. Hier reicht eine Eingabe. Wenn bei Ihnen Bilder oder Texte aus einem Modell in die Außenkommunikation gehen, gehört eine Prüfung auf fremde Rechte dazwischen. Was die Kennzeichnungspflicht seit dem 2. August dazu verlangt, haben wir in unserem Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht aufgeschrieben.
Unsere Einordnung zur Woche
Alle Meldungen dieser Woche zeigen in dieselbe Richtung. Die Menge an Inhalten steigt, ihre Unterscheidbarkeit sinkt, und die Systeme, die auswählen, reagieren darauf. Google verlangt einen eigenen Blickwinkel, LinkedIn drosselt, Spotify kennzeichnet, und in den KI-Antworten entscheidet sich früher, als viele denken, wer überhaupt zur Auswahl gehört.
Für einen Betrieb mit Website heißt das zweierlei.
- Erstens die Pflicht: technisch erreichbar sein, für Menschen und für Maschinen, ohne versehentliche Sperren.
- Zweitens die Kür, und die ist unbequemer: etwas zu sagen haben, das aus der eigenen Arbeit kommt. Zahlen aus dem eigenen Betrieb, Fälle aus der eigenen Werkstatt, Antworten auf Fragen, die Ihnen im Erstgespräch wirklich gestellt werden.
Der zweite Teil war schon immer die Arbeit. Er ist jetzt nur schwerer zu umgehen.
Übrigens
Wir sind eine SEO- und GEO-Agentur aus der Oberpfalz und kümmern uns um die Sichtbarkeit inhabergeführter Betriebe, in Google und in den Antworten der KI. Wenn Sie wissen wollen, wo Ihre Seite heute steht, schauen wir im Erstgespräch gemeinsam drauf.