Willkommen beim Diginauten Weekly. Einmal pro Woche schauen wir uns an, was im Bereich SEO und GEO passiert ist und ordnen für Sie ein, was für Ihren Betrieb zählt. Darum geht’s diese Woche: Google hat am 24. September ein Spam-Update gestartet, das bis in den Oktober laufen kann. Im Unternehmensprofil gelten neue Regeln für Änderungsvorschläge, Beiträge und auffällige Bewertungen. KI-Übersichten zeigen mehr Links, und trotzdem schicken KI-Dienste insgesamt kaum Besucher auf Websites. Zwei deutsche Studien zeigen, wie Menschen hierzulande KI tatsächlich nutzen, und Einkaufsagenten stehen bei manchen Händlern schon vor verschlossener Tür.
Google räumt auf: Das September-Spam-Update läuft bis in den Oktober
Am 24. September um 18:15 Uhr hat Google das September 2026 Spam Update gestartet. Es gilt weltweit und für alle Sprachen und ist das vierte Spam-Update in diesem Jahr, nach März, Juni und August. Neu ist die Dauer. Die drei vorigen waren nach ein bis drei Tagen abgeschlossen, dieses kann laut Google bis zu zwei Wochen brauchen, also bis etwa zum 8. Oktober. John Mueller von Google hat bestätigt, dass das kein Tippfehler ist. Welche Praktiken Google diesmal ins Visier nimmt, sagt das Unternehmen nicht.
Schon vor dem Start zeigten Messwerkzeuge ab dem 22. September starke Ausschläge, die laut Search Engine Roundtable nicht zum Update gehören. Dazu kommt, dass manche Werkzeuge gerade weniger zuverlässig messen. Sistrix, eines der verbreitetsten SEO-Werkzeuge in Deutschland, erhebt seine Daten laut eigener Statusseite seit Mitte September nur eingeschränkt, weil Google automatische Abfragen stärker abblockt.
Für Ihren Betrieb heißt das zweierlei. Ein Einbruch in den nächsten zwei Wochen kann am Update liegen, er kann aber auch aus einem Messwerkzeug stammen, das gerade selbst schwankt. Verlässlicher sind die Klicks und Impressionen in der Search Console, Googles kostenlosem Werkzeug für Websitebetreiber.
Bewerten sollten Sie die Folgen erst, wenn Google das Update für abgeschlossen erklärt. Welche Art von Seiten solche Updates zuletzt getroffen haben, haben wir in KW 38 am Beispiel von Seiten in Serie beschrieben. Falls Ihre Zahlen in den kommenden Wochen deutlich fallen, prüfen wir gern mit Ihnen, ob das Update dahintersteckt oder etwas anderes.
In der Search Console gibt es seit dem 24. September außerdem einen neuen Filter. Im Leistungsbericht lässt sich der Suchtyp „Web“ jetzt in textbasierte und multimodale Suchen aufteilen. Multimodal heißt, dass ein Bild Teil der Suchanfrage war, etwa über Google Lens, Circle to Search oder ein hochgeladenes Foto. Suchbegriffe zeigt Google für diese Suchen nicht, dafür Seiten, Länder, Geräte, Klicks und Impressionen. Gerade bei Handwerksleistungen lohnt der Blick, denn ein Foto von einem Schaden ist schnell gemacht.
Unternehmensprofil: Google zieht die Regeln an
Im Google-Unternehmensprofil hat Google in diesen Tagen an drei Stellen nachgeschärft, zwei davon stehen schon in der deutschen Hilfe.
Änderungen am Profil
Schlägt jemand eine Änderung an Ihrem Profil vor, etwa neue Öffnungszeiten oder eine andere Telefonnummer, haben Sie nach der Benachrichtigung vier Tage Zeit, sie anzunehmen oder abzulehnen. Reagieren Sie nicht, kann Google die Änderung veröffentlichen, wenn andere öffentliche Angaben sie stützen, zum Beispiel Ihre eigene Website. Manche Vorschläge übernimmt Google auch ohne vorherige Prüfung durch den Inhaber.
Nicht bestätigte Kontaktdaten
Außerdem entfernt Google Beiträge im Profil, die nicht bestätigte Kontaktdaten enthalten. Gemeint sind Telefonnummern, Mailadressen oder Social-Media-Namen, die nicht zum bestätigten Profil gehören (Google-Hilfe). Bisher waren Telefonnummern im Beitragstext ganz untersagt. Als Weg zum Anruf nennt Google den Button „Jetzt anrufen“ mit der bestätigten Nummer. Die Handynummer des Chefs unter dem Beitrag zum neuen Projekt kann einen Beitrag also kosten.
Bewertungen
Die dritte Änderung betrifft auffällige Häufungen von Bewertungen. Erkennt Google eine Welle von Spam-Bewertungen, entfernt das System sie, informiert den Inhaber per Mail und pausiert für einige Tage neue Bewertungen und andere Beiträge von Nutzern. Eine eigene Ankündigung von Google gibt es dazu nicht. Beschrieben ist es bisher nur anhand englischsprachiger Fälle, darunter ein Betrieb, der nach einer Neueröffnung gezielt Bewertungen eingesammelt hatte. Gehen dabei echte Bewertungen verloren, können Sie eine Überprüfung beantragen.
Alle drei Änderungen laufen auf dasselbe hinaus. Google verlässt sich stärker auf das, was es anderswo über Ihren Betrieb findet, und reagiert auf Ungewöhnliches mit Sperren. Ein gepflegtes Profil, eine Website mit denselben Angaben und ein Postfach, in dem Mails von Google nicht untergehen, werden damit wichtiger.
KI-Suche: viel Aufmerksamkeit, wenig Besucher
Während Google bei Profil und Spam nachschärft, verändern sich auch die KI-Übersichten, also die kurzen KI-Antworten über den Suchergebnissen. Sie enthalten spürbar mehr Links. Laut Messungen von Peec AI, einem Anbieter von Messwerkzeugen für KI-Sichtbarkeit, stieg der Anteil der KI-Übersichten mit einem Link auf eine externe Website im Antworttext von fast null auf rund 26 Prozent, gemessen vom 25. August bis 20. September (Search Engine Journal). Märkte und Stichprobe hat Peec nicht offengelegt. Gleichzeitig testet Google Links, die keine Website öffnen, sondern eine Folgefrage im KI-Modus. Solche Klicks tauchen in Ihrer Search Console nicht auf.
Wie sich der KI-Modus auf Klicks auswirkt, haben Forschende der University of Pennsylvania und der Northeastern University in einem Feldexperiment gemessen. Rund 1.100 Chrome-Nutzer in den USA wurden eine Woche lang zufällig verschiedenen Gruppen zugeteilt. Mit dem KI-Modus sank der Anteil der Suchen, die mit einem Klick auf eine externe Website endeten, um 18,8 Prozentpunkte, und Zufriedenheit und Vertrauen gingen zurück. Die Studie ist noch nicht begutachtet, und die Teilnehmenden waren jünger und gebildeter als der Durchschnitt.
Wie wenig Besucher KI-Dienste insgesamt weitergeben, zeigt eine Auswertung von OneLittleWeb für Juli 2025 bis Juni 2026. Auf Basis von Schätzdaten aus Semrush, Ahrefs und Aitools.xyz kamen rund 0,2 Prozent aller Besuche der 9.177 erfassten Websites aus KI-Diensten, den KI-Modus eingerechnet. Direktaufrufe und Suche machten zusammen 92,6 Prozent aus. In dieselbe Richtung weisen Zahlen von Microsoft aus einem am 17. September entsiegelten Schriftsatz im Verfahren der New York Times gegen OpenAI und Microsoft. Demnach lag die Klickrate auf nytimes.com beim Copilot um 87 bis 93 Prozent unter der der klassischen Bing-Suche. Die Zahlen stammen aus der Darstellung der Kläger, das zugrunde liegende Dokument ist weiter unter Verschluss.
So nutzen Menschen in Deutschland KI
Wie Menschen in Deutschland KI nutzen, zeigen zwei Studien aus dieser Woche. Laut der ARD/ZDF-Medienstudie 2026 nutzen 59 Prozent der Menschen ab 14 Jahren KI-Werkzeuge zumindest gelegentlich, 37 Prozent jede Woche, ein Jahr zuvor waren es 22 Prozent. Befragt wurden 2.462 Personen von Januar bis April 2026. Aufschlussreich für Websitebetreiber ist ein Detail aus der ausführlichen Auswertung. Von den Menschen, die KI-Werkzeuge mindestens einmal im Monat nutzen, halten 81 Prozent Quellenangaben für wichtig oder sehr wichtig, 58 Prozent klicken aber nur gelegentlich oder nie auf die Links zu den Originalquellen.
Beim Einkaufen spielt KI noch eine Nebenrolle. Laut IFH Köln nutzen 79 Prozent der Befragten keine KI, wenn sie nach Produkten und Angeboten suchen. Befragt wurden 1.000 Menschen zu Lebensmitteln, Baumarkt, Elektro und Möbeln. Vorn liegen Suchmaschinen mit 62 Prozent und die Websites der Händler mit 61 Prozent. Bei den 18- bis 29-Jährigen greifen immerhin 32 Prozent auf KI zurück.
Für Betriebe ergibt das ein klares Bild. Die klassische Suche bleibt der Weg, über den Kunden kommen, und die KI-Suche entscheidet zunehmend mit, ob Ihr Name dabei überhaupt fällt. Als genannte Quelle profitieren Sie auch ohne Klick, weil die meisten Menschen die Quelle sehen wollen, sie aber selten öffnen.
KI-Sichtbarkeit messen: Der Kern bleibt, der Rand wechselt
Wie schwer sich Sichtbarkeit in KI-Antworten messen lässt, zeigt eine neue Auswertung. Glen Allsopp hat für Detailed über 70.000 KI-Antworten aus 28 Tagen ausgewertet. Die am häufigsten empfohlenen Marken tauchten an 82 Prozent der Tage in ChatGPT und an 89 Prozent der Tage in Googles KI-Übersichten auf. Bei den hinteren Empfehlungen wechselten 65 bis 78 Prozent der Namen, und dieselbe Liste von Marken an zwei beliebigen Tagen gab es nur in 0,3 bis 1,1 Prozent der Fälle.
Zugleich verteilt sich die KI-Nutzung neu. Laut Paneldaten des US-Marktforschers Comscore sank der Anteil von ChatGPT an allen KI-Anfragen von Januar bis Juni 2026 von 70 auf 50 Prozent, Gemini stieg von 17 auf 30 und Claude von 2 auf 11 Prozent. KI-Übersichten erschienen im Juni bei 39,4 Prozent der Desktop-Suchen bei Google, ein Jahr zuvor waren es 25,8 Prozent.
Eine beliebte Abkürzung funktioniert laut einer Auswertung des Anbieters Scrunch kaum. Zitierte eine KI-Antwort eine selbst geschriebene Bestenliste, in der sich ein Unternehmen auf Platz 1 gesetzt hatte, stieg dessen Empfehlungsrate nur von rund 4 auf 7 Prozent, und selbst dieser Anstieg geht laut Scrunch teils auf Entwicklungen zurück, die schon vorher liefen. In 24,3 Prozent dieser Fälle empfahl die KI die Konkurrenz. Scrunch verkauft selbst Messwerkzeuge, eine unabhängige Prüfung fehlt.
Einzelne Stichproben aus ChatGPT sagen deshalb wenig, und der Blick nur auf ChatGPT greift zu kurz. Wo Ihr Betrieb in Google und in der KI-Suche heute steht, zeigt unsere kostenlose Sichtbarkeits-Analyse.
Einkaufsagenten: Manche Händler machen die Tür zu
Einkaufsagenten sind KI-Assistenten, die im Auftrag von Menschen Produkte suchen und kaufen. Seit dem 21. September sperrt Amazon den Assistenten Muse von Meta aus. Amazon begründet das damit, dass Meta nicht gefragt habe, der Agent sich nicht zu erkennen gebe und Zugangsdaten speichere. Shopify geht den umgekehrten Weg. Laut Shopify-Chef Tobi Lütke kann Muse in allen Shopify-Shops mit Shop Pay bezahlen, für Händler, die an Kunden in Nordamerika verkaufen, ist der Kanal standardmäßig aktiv. In Deutschland ist Muse bisher nicht verfügbar.
Ähnlich still lief ein Schritt von Google. Berechtigte Shopify-Händler, die an Kunden in den USA verkaufen, wurden laut Search Engine Roundtable und PPC Land ohne Nachfrage für den Direktkauf im KI-Modus und in Gemini freigeschaltet. Abschalten lässt sich das nur in Shopify selbst.
Kaufen Deutsche schon über KI ein?
Deutsche Kunden sind noch zurückhaltend. In einer Umfrage von Riverty und Adyen unter 1.000 Menschen erwarten 49 Prozent, dass KI in fünf Jahren den Großteil ihrer Alltagseinkäufe übernimmt, einen Kauf direkt im Chat akzeptieren heute aber nur 16 Prozent.
Wie offen Websites für solche Programme sind, hat der Sicherheitsanbieter DataDome untersucht. Von über 20.000 geprüften Websites hatten 65,3 Prozent keinen Schutz gegen die zehn getesteten Arten von Bots. Bots von Meta verursachten 46,3 Prozent des erkannten Verkehrs durch KI-Crawler, Bots von OpenAI 34,6 Prozent.
Für Shops in Deutschland ändert sich damit heute nichts. Die Frage kommt aber auf Sie zu, spätestens wenn Muse oder Googles Direktkauf hier starten. Welche Crawler und Agenten Ihre Website lesen dürfen, lässt sich schon jetzt festlegen, wie wir es im Beitrag zu Cloudflare gezeigt haben. Die Grundlagen stehen im Beitrag zu Agentic Commerce.
Kurz notiert
- llms.txt als Einfallstor: Nachtrag zur llms.txt aus der Vorwoche. Forschende eines israelischen Start-ups fanden bei 6.214 untersuchten Domains großer Unternehmen 120 dieser Dateien, die auf nicht registrierte Software-Pakete oder Domains verwiesen. Nachdem die Forscher einige dieser Namen selbst registriert hatten, installierten Programmier-Agenten wie Claude und Codex die Pakete (All About Security). Für die automatisch erzeugte llms.txt eines Betriebs ist das Risiko gering, das Argument, sie schade ja nicht, ist damit trotzdem erledigt.
- Werbelast als Messwert: Googles Dokumentation zur Nutzererfahrung nennt seit dem 22. September die neuen Chrome-Messwerte zur Werbung auf einer Seite, also Anzahl, Fläche, Datenmenge und Rechenzeit von Anzeigen. Ein direkter Rankingfaktor ist das laut John Mueller nicht.
- ChatGPT-Werbung aus der Praxis: Deutsche Marketer berichten im OMR von gemischten Erfahrungen. Bei einem Test für den US-Markt zählte die Plattform 36 Konversionen, tatsächlich kamen zwei Anfragen an. Eine eigene Messung bleibt Pflicht, wie wir schon in KW 37 empfohlen haben.
- Neue Pflicht für Shops: Ab dem 27. September müssen Onlineshops den EU-Hinweis zur gesetzlichen Gewährleistung zeigen, bei längeren Herstellergarantien zusätzlich das neue Garantie-Label. Details standen in KW 36.
Unsere Einordnung zur Woche
Diese Woche zeigt zwei Bewegungen, die gleichzeitig laufen. Google zieht die Regeln an, beim Spam wie beim Unternehmensprofil, und prüft stärker, ob Angaben zu einem Betrieb an anderer Stelle bestätigt sind. Die KI-Suche wächst, gibt aber kaum Besucher weiter, und selbst die Menschen, denen Quellen wichtig sind, klicken sie selten an.
Beides spricht für dieselben Hausaufgaben. Ein Unternehmensprofil, das mit der Website übereinstimmt, und eine Website, die als Quelle taugt, wirken in der klassischen Suche und in KI-Antworten zugleich.
Sichtbarkeit entsteht in diesen Wochen vor allem durch Angaben, die überall gleich und belegbar sind.
Übrigens
Falls Sie beim Lesen an Ihr eigenes Profil oder an einen Einbruch in Ihren Zahlen gedacht haben, sehen wir uns das gern mit Ihnen an, vom Spam-Update bis zur Frage, ob Ihr Betrieb in KI-Antworten auftaucht. Schreiben Sie uns, wenn Sie wissen wollen, wo Ihr Betrieb in der Google- und KI-Suche steht.